... und meine Erinnerungen

Mein letztes Semester vorm Bachelor: Da kam mir dieser Kurs ganz gelegen, quasi als Vorübung für die Bachelorarbeit. »Konzipiert und gestaltet eine komplexe Publikation.« Das war quasi die einzige Vorgabe, sowohl Themenwahl als auch Format waren uns überlassen. Doch überhaupt erstmal ein Thema finden – schwierig. Ich hatte bereits seit Wochen eine Liste mit verschiedenen Themen, aber das richtige war noch nicht dabei. Und dann, eines Abends, bekam ich einen Anruf meiner Mutter. „Es ist erledigt“, sagte sie nur kurz, mit ihrer typischen norddeutschen Art, die sie von ihrer Mutter geerbt hat … die wir alle geerbt haben – mehr oder weniger. Kühl, nüchtern, scheinbar emotionslos.

Das war letzten Oktober. Da ist Oma gegangen. In einem Alter von 88 Jahren nicht sonderlich plötzlich und unerwartet. Und trotzdem bewegt es mich und macht mich nachdenklich. Mir war sofort klar – das ist das Thema, auf das ich gewartet habe.

Das Thema war jetzt zwar klar, aber nicht, was und vor allem wie ich das umsetzen will. Anfangs hatte ich viele Fragen im Kopf: Wer war sie eigentlich? Wie hat sie ihr Leben gelebt? Was hat sie geprägt? Werde ich mich in Zukunft noch an sie erinnern können? Im Laufe des Kurses wurde mir klar, dass mich vor allem letztere Frage am meisten beschäftigte. Also wollte ich meine (Kindheits-)Erinnerungen an sie festhalten, so verblasst und verschwommen sie auch schon sein mögen. Denn mir ist nicht viel geblieben, von Anni, der einzigen Oma, die ich je hatte. Eine Handvoll Fotos, Briefe und Rezepte.

… und meine Erinnerungen.

Dozentin
Prof. Franziska Morlok

Jahr
2020

ANNI